Seit dem Start der Plastikpiraten in Österreich im Jahr 2021 haben mehr als 2320 Kinder und Jugendliche an über 131 Standorten in allen 9 Bundesländern Daten zur Verschmutzung von Flüssen gesammelt. Der Großteil der Daten stammt aus Fließgewässern, die letztendlich in der Donau münden; einige davon münden auch im Rhein oder in der Elbe.
Sammlungen | Teilnehmer*innen |
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Die Sammlung von Abfällen erfolgt dabei je nach Gruppen nach unterschiedlichen Zielen und Abläufen.
Durch die Aktivitäten der Plastikpirat*innen wurden und werden laufend große Mengen an Müll entlang der Ufer österreichischer Flüsse aufgelesen und gleichzeitig große Flächen gesäubert.
Gruppe A - Abfall pro Fläche | Gruppe B - Abfallzusammensetzung |
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gesäuberte Fläche (m2) | gesammelte Abfallmenge in Stück | gesäuberte Fläche (m2) | gesammelte Abfallmenge in Kilogramm | gesammelte Abfallmenge in Stück | |
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Parallel zu den laufenden Feldbeprobungen durch die teilnehmenden Schulen validiert das Team des Instituts für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien laufend Daten aus früheren Beprobungszeiträumen. Die Daten und die entsprechenden Analysen sollen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Dies ist sehr wichtig, um die Ergebnisse für die internationale Forschungsgemeinschaft zugänglich zu machen.
Im Herbst 2021 wurde mit einer ersten exemplarischen Sammlung gestartet, im Herbst 2022 wurden in Österreich bereits 13 Sammlungen durchgeführt. Um zahlreiche Teilnehmer*innen zu motivieren, wird die Aktion vor Beginn jeder Sammelperiode vom Plastic Pirates Team Österreich beworben. Vor allem den motivierten Lehrer*innen ist es zu verdanken, dass durch eine Vielzahl von Sammlungen Datenpunkte in ganz Österreich gewonnen werden. Bei den Sammler*innen handelt es sich überwiegend um Schüler*innen, die die Sammlungen im Rahmen von Projekttagen oder ähnlichem durchführen.
Durch die Auswahl der entsprechenden Buttons sehen Sie hier jeweils die neuesten Zahlen zur Anzahl der bisher durchgeführten Kampagnen, Anzahl der Teilnehmer*innen, das Ausmaß der gesäuberten Flächen und die Anzahl der gesammelten Müllteile für die alten und die laufende Sammelperiode. Immer mehr Plastikpirat*innen helfen dabei, unsere Umwelt sauber zu halten.
Mit jeder ordnungsgemäß durchgeführten Sammlung werden neue Datenpunkte gewonnen. Manche Stellen wurden und werden in zeitlichen Abständen mehrfach untersucht. Dies kommt zum Beispiel dann vor, wenn Schulen die Aktion regelmäßig wiederholen oder auch in Wien, wo vergleichsweise wenig Flüsse von vielen Schulen untersucht werden. Somit können später Aussagen über jahreszeitliche Verläufe sowie positive oder negative Trends im Abfallaufkommen getroffen werden. Oder aber, es werden immer neue Uferstellen untersucht und immer mehr Flussgebietszonen in die Datenbank integriert. Dies ermöglicht dann einen guten Einblick in die räumliche Verteilung der Kunststoffverschmutzung in österreichischen Fließgewässern.
Die Anzahl der gefundenen Abfälle pro Fläche ist ein wichtiger Kennwert, um zu erkennen, in welchen Fließgewässerlandschaften Österreichs Anhäufungen von Abfällen zu finden sind und wo eher saubere Gegenden sind. Auch jahreszeitliche Unterschiede im Littering-Aufkommen oder Anschwemmungen können so erkannt werden. Die Anzahl der gefundenen Abfälle kann je nach Sammelzeitraum, räumlicher Verteilung, Fließgewässergröße und Entfernung zum Ufer variieren.
Die unten dargestellten Ergebnisse sind in Boxplots aufbereitet. In diesen kann man die Streuung der Daten erkennen: Die Boxen beinhalten 50% der Daten, der schwarze Strich in der Mitte der Boxen ist der Median. Die Striche ober und über der Box, die so genannten “Whisker’s”, haben maximal die 1,5 Fache Länge der Höhe der Boxen und sind deswegen unterschiedlich lang, weil sie bei einem Wert enden. Datenpunkte in diesen Bereichen werden nicht dargestellt. Die schwarzen Punkte außerhalb der Whisker’s sind einzelne Datenpunkte die stark von den restlichen Daten abweichen.
Wirklich beindruckend große Stückanzahlen und Mengen an (Kunststoff)Abfällen wurden von dem Teilnehmer*innen in ganz Österreich in den bereits durchgeführten Sammelperioden gesammelt, kategorisiert und dokumentiert. Bisher wurden bereits 17518 einzelne Abfälle gesammelt und so natürlich auch aus der Natur entfernt. Ein großes Dankeschön an alle Plastikpirat*innen!
Die durchschnittliche Sammelmenge variiert aufgrund der räumlichen und zeitlichen Unterschiede der gesammelten Abfälle.
Mit der Untersuchung der Abfallzusammensetzung werden wichtige Informationen über mögliche Verursacher, Eintragspfade und Quellen gewonnen, die in weiterer Folge die Ableitung sowie die Kontrolle von Vermeidungsmaßnahmen ermöglichen. Werden beispielsweise viele Wattestäbchen und Damenbinden am Ufer eingesammelt, dann könnte dies darauf hindeuten, dass stromauf ungeklärtes Abwasser über einen Kanal in ein Fließgewässer gelangte. Fast-Food-Verpackungen wiederum lassen auf eine unsachgemäße Entsorgung schließen. Und umgekehrt würde beispielsweise eine Abnahme von Kunststoff-Flaschenstoppeln in der Zukunft auf eine positive Reaktion der Umsetzung der Einwegkunststoffrichtlinie, die unter anderem dafür sorgt, dass Stoppeln nun fix mit der Flasche verbunden sind, hindeuten.
Aufgrund der unterschiedlichen Massen der gesammelten Abfälle ist die Unterscheidung von Gewichtsanteil sowie Stückanteil interessant. Bereits ein sehr schwerer Metallgegenstand wie zum Beispiel eine Türschnalle (dies wurde tatsächlich schon mal gefunden) kann den Gewichtsanteil von Metallen, die ansonsten zumeist aus Aludosen, Alu-Folie und Kronenkorken bestehen deutlich erhöhen. Aufgrund der geringen Dichte von Plastikabfällen ist hier vor allem die Stückanzahl interessant. Allerdings befinden sich immer wieder auch Unmengen an Zigarettenstummeln sowie Glasscherben an Sammelstellen, die ebenfalls nicht stark ins Gewicht fallen.
Unter Mikroplastik versteht man Kunststoffpartikeln kleiner 5 mm. Nach unten hin gibt es keine einheitlich definierte Grenze. Im Projekt Plastic Pirates – Go Europe! werden sämtliche Partikeln untersucht, die mit Netzen mit einer Maschenweite von 1 mm festgehalten werden und kleiner als 25 mm sind. Die Mikroplastikverschmutzung in dieser Größenordnung ist in österreichischen Gewässern eher (!) gering und schwankt vor allem mit der Art und der räumlichen Verteilung der Gewässer. Auch zeitliche Einflüsse sowie Einflüsse von Hochwasser sind möglich. Im Mittel wurden 2.5 Stück je 100 m³ Wasser festgestellt.
Potentielle Mikroplastikpartikeln aus den untersuchten Gewässern werden mit einer aufwändigen Methode (mittels Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie) untersucht, um zu verifizieren, ob es sich tatsächlich um Kunststoffe handelt und um festzulegen, um welchen Polymertyp es sich handelt. Überwiegend werden gängige Kunststoffe wie PE oder PP identifiziert.
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Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Universität für Bodenkultur Wien
Muthgasse 107/III
1190 Wien
Österreich
Kontakt:
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Tel.: +43 1 47654 81300
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